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Falls Sie jetzt aus Fassungslosigkeit eine leichte Lähmung verspüren, holen Sie sich ruhig was zu trinken. Auch wenn man es lieber nicht glauben möchte, das ist nicht erfunden, das gibt es wirklich. Ich schau mir dann hin und wieder an, wer mir denn so ausgesuchtes Unverständnis von Web 2.0 mitteilen will, aber ich wundere mich immer seltener, dass es sich meist um durchaus bekannte, gut gehende Agenturen handelt, die nicht gerade frisch am Markt sind.
Vielleicht liegt ja genau da das Problem: Die kommen aus einem sehr traditionellen Verständnis von Werbung und Kommunikation (Stichwort 15% Agenturrabatt) und merken, dass da was an ihnen vorbeifährt, das sie zwar weder genau erkennen können noch verstehen aber es riecht zumindest nach Werbebudget. Also schnell mal ein Logo 2.0, einen Newsletter 2.0 und einen Folder 2.0 gemacht und schon ist der alte Wein (der mangels sinnvollem Verständnis von Web-Design eh nie wirklich geschmeckt hat) in den neuen Flaschen mit dem trendy Etikett. “Web-Marketing” steht da oder “2.0 Boost” oder “Virales Marketing”. Man kann es förmlich greifen, wie sehr sich diese Leute in die Materie vertieft haben.
Und was nun?
Das nahe liegendste wäre ja, derartiger Schmutzkonkurrenz mit indianischer Gelassenheit zu begegnen und am Fluß zu warten, bis sie vorüber treiben, aber man sollte Dinos nicht unterschätzen. Diese Agenturen sitzen üblicherweise bei guten Kunden bereits fett und breit im Sattel und stehen gekonnt im Wege. Oben drein ruinieren sie den ohnehin noch sehr zarten Markt mit derlei Schwachsinnigkeiten.
Es geht also nicht anders, man muss dagegen halten. Es darf nicht sein, dass gestrige Agenturen unwidersprochen ihren Kunden Unsinn über Web-Marketing und Web 2.0 erzählen dürfen. Gerade das kann und soll Web 2.0 ja leisten, dass Kunden ihren Lieferanten weniger glauben müssen und sich informieren können.
Aber ein paar Blogs, Newsletter oder der gleichen bewegen rein gar nichts. Es geht darum, Show Cases zu haben, die unmissverständlich und eindrucksvoll belegen, was Web-Marketing mit Web 2.0 etc. leisten kann, wann es sinnvoll ist, wie es mit anderen, abgestimmten Kommunkationsmaßnahmen zum Konzert wird usw. Und man muss Unternehmen direkt ansprechen, sie aufklären und ihnen Vorschläge unterbreiten.
Man muss die Vernetzung leben.
Unternehmen sollten heute eines ganz besonders schnell erkennen: Kommunikation hat sich von einer Ansammlung singulärer Maßnahmen zu einem kontinuierlichen und intensiven Prozess gewandelt. Wie Paul Watzlawick völlig zutreffend feststellte, “kann man nicht nicht-kommunizieren”. Ein Unternehmen muss heute ständig (neue) Kommunikationsimpulse setzen, um in der stark vernetzten Welt positiv wahrgenommen und emotional relevant zu werden. Das hat damit zu tun, dass Kunden sich heute viel intensiver über Produkte austauschen und bei einem reichhaltigen Angebot gleichwertiger Produkte erlangen jenen mehr Erfolgschancen, welche die effektiveren emotionalen Reaktionen hervorrufen.
“Wir machen die besten Produkte” oder “wäscht weißer als weiß” ist tot. Aber wenn ich eine Frau zeige, die 3 Rieseneinkaufstaschen plus Waschmittelsack aus dem Supermarkt schleppt und der hilfsbereite junge Mann kommt und bietet seine Hilfe an – nur um gleich darauf mit dem Waschmittel abzuhauen, dann weckt das Emotionen. Daraus mach ich dann auch noch eine virale Kampagne auf YouTube und plötzlich wollen mehr Menschen das Waschmittel kaufen als vorher – nicht weil sie meinen, es wäscht so toll, sondern weil sie die Bilder in Erinnerung haben, weil sie unterhalten wurden.
Unsere Werte sind andere geworden. Weiße Wäsche? Egal, sieht eh keiner und solang die Kleidung keine Flecken hat ist, passts ja, aber im Kaufhaus greife ich zu jenen Artikeln, deren Werbung mich berührt hat.
Hier steckt schon einiges an Web 2.0 drin, aber ich wäre genau so dämlich wie die Superagentur aus der Einleitung, wenn ich es punktgenau herausanalysieren wollte. Es geht um Stilfragen, es geht um Wahrnehmungen um Subtiles um Emotionales. Der Möglichkeitsraum handelt weder von Technik noch von Design noch von Content, er handelt von Emotion, Motivation und Inspiration.

Gender Mainstreaming
T.U.B