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Der globalisierte kunde

16. August 2008

Servus da draußen.

Die letzten paar jahre haben viel umgerührt im Internet, aber nur wenigen scheint bewusst zu sein, dass wir soeben daran gehen, die regeln unserer wirtschaft, unserer gesellschaft, unserer gesamten kommunikation, unserer wertebeziehungen neu zu definieren.
“Oje, schon wieder so ein pseudo-philosophischer langeweiler-blog mit no-na-wissen” werden vermutlich einige jetzt denken, aber es muss ja niemand weiterlesen, wenn kein interesse an systemischen, grundlegenden gedanken besteht, was wir hier alle eigentlich tun.

These 1:

Die informationsgesellschaft ist tot…

Wesentliches merkmal der informationsgesellschaft war die tatsache, dass information (als schlüssel zum wissen) ein teurer aber gut verkaufbarer rohstoff war, der wesentliche gesellschaftliche strukturen geschaffen und erhalten hat, weil gerade diese strukturen den zugang dazu geregelt haben. Ob es sich dabei um unser gesamtes ausbildungs- und weiterbildungssystem oder tägliche nachrichten oder die basis unserer geldwirtschaft handelte und noch immer handelt ist einerlei. Allen gemeinsam war, dass es einiges gekostet hat, bis die gewünschte information oder das wissen verfügbar waren und zudem waren die quellen vielfach schlecht überprüfbar und zumeist von subjektiven zufällen geprägt (wie viele hier können denn sagen, dass ihnen der mathematiklehrer viel beigebracht hätte oder der PC-verkäufer um die ecke ein echter insider ist?).
Seit google, wiki und co. ist information und wissen zunehmend billig, leicht und in kürzester zeit verfügbar und fast immer über mehrere quellen überprüfbar. Wissensvorräte werden zunehmend uninteressant, knowledge on demand ist angesagt, klassische torwächter des wissens verlieren an bedeutung auch wenn ihnen das noch nicht bewusst ist. Zunehmend gefragt ist die fähigkeit, verschiedenstes wissen profitabel einzusetzen bzw. mit ad hoc benötigtem und recherchiertem wissen zu kombinieren. Der marktwert des einfachen wissens und noch mehr jener einer bestimmten information sinkt derzeit bereits deutlich.

Neben den vielen auswirkungen auf soziale strukturen, was vielleicht ein anderes mal andiskutiert werden kann, ergeben sich sehr weitreichende konsequenzen für unsere wirtschaft. Damit meine ich aber nicht die sich logischerweise ergebenden fachlichen verschiebungen und entwicklungen in den wertschöpfungsketten, sondern die grundsätzliche business-ethik.
Was meine ich damit? Grundlage jedes geschäfts ist das geglaubte produktversprechen. Daran wird sich zwar nicht extrem viel ändern, aber der glaube muss nicht mehr so strapaziert werden, denn das produktversprechen lässt sich durch unsere kommunikationsmedien um ein vielfaches leichter überprüfen als vor 15 jahren. Dabei ist es unerheblich, ob die quelle dafür in meinem kaff wohnt oder in irgendeinem entlegenen welteck. Der konsument ist in kürzester zeit global geworden….

These 2:

Der globalisierte konsument erzwingt automatisch ein ehrlicheres anbieter-verhalten

Wenn sich konsumenten zunehmend über die vor- und nachteile einzelner produkte im internet schlau machen können (und das werden sie vermehrt tun), dann sinkt die erfolgschance für “unehrliche” produkte. Natürlich werden diverse ausweichstrategien vermehrt angewandt werden (z.B. extrem kurzlebige produkte, häufiger markenwechsel, neue vertriebswege etc.) aber mittelfristig wird dieses vorgehen immer weniger lukrativ, weil sich u.a. “ehrliche” konkurrenz-produkte besser absetzen, damit billiger werden und das markenimage wieder mehr bedeutung erlangt.
Damit kein missverständnis aufkommt: Ich rede nicht von billig-produkten vs. hochpreis-produkten, sondern von der preiswürdigkeit bzw. preis-ehrlichkeit eines produktes und das kann in jedem preisniveau gut oder schlecht sein.

Wen wird es treffen? Klarerweise alle produkte, die überregional vertrieben werden. Vom auto bis zur unterhaltungselektronik, von der solaranlage bis zum designer-möbel, von der sonnenbrille bis zur spiele-console. Je teurer, desto mehr ehrlichkeit wird nötig sein, aber das war früher nicht wesentlich anders. Doch wer sich das fahrradschloss-beispiel aus den USA mal genauer angesehen hat, wird erkennen, dass es keine grenze nach unten gibt.

Was wird noch passieren? Die preise gleichwertiger artikel beginnen sich zu nivellieren (was ja durch den mittlerweile in fast allen segmenten vorherrschenden verdrängungswettbewerb sowieso schon geschieht) und als folge davon wird die effiziente bewerbung an bedeutung gewinnen. Google wird sich freuen.
Vor dem hintergrund immer ehrlicherer und damit gleichwertiger produkte zu fast gleichen preisen bieten sich im wesentlichen 2 strategien an: starke produktdiversifizierung (siehe handy-markt) inkl. leistungsoverkill und produkt-emotionalisierung. Ersteres ist flucht nach vorne in die technik (wohin das auch immer führen mag), während zweiteres für den kunden einen virtuellen mehrwert generiert, dem keine produktionskosten, wohl aber ein höherer kaufspreis gegenüber steht.

These 3:

… Es lebe die emotionsgesellschaft

Fällt ihnen ein gut emotionalisiertes produkt ein? Na klar, i-Phone wird vielen zunächst mal einfallen. Emotionalisierung ist der grund, warum das i-Phone teurer als alle vergleichbaren produkte sein kann, obwohl es nachgewiesenermaßen das schlechteste telefon ist.
Emotionen werden in zukunft vielleicht das wichtigste vehikel der konsumgütervermarkung sein. Wenn es gelingt, kunden emotional abzuholen, spielt der rest nur mehr eine untergeordnete rolle.
Die wirtschaft hat aber offensichtlich noch wenig erfahrung mit guter, wirksamer emotionalisierung auch wenn paradebeispiele wie ikea, axe, barcardi oder apple hier schon einiges vorzeigen.
Kunden generieren durch emotionen ist die eine sache, kundenbindung dann noch ein weiteres kapitel.

Es wird viel zu tun geben….

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