Vor zwei Jahren waren die Medien voll davon – ständig neue Jubelmeldungen. Ende 2006 bekannt geworden und im Jahr darauf der Medienhype der Sonderklasse. Second Life, das Internet-Phänomen!
Wer da alles als Anbieter rein musste: Hewlett Packard, Dell und IBM, Adidas und American Apparel, MTV, Vodafone und Autofirmen wie Pontiac, Mercedes, DaimlerChrysler, Toyota und Nissan…
Jeder wollte dort der Erste sein und seine Marketingspielwiese eröffnen. Die Ansätze waren unterschiedlich. Wollten die einen ihre Produkte bewerben, indem sie nichts anderes taten als im „richtigen“ Leben (also Messen veranstalten, Verkaufsräume einrichten und so weiter und so langweiliger) – ließen sich andere wenigstens ein bisschen was einfallen und organisierten Dinge, die im realen Leben nicht möglich sind. So stellte Nissan einen Automaten auf, aus dem sich der Avatar sein Auto rausziehen und gleich damit losfahren konnte. Auch nicht gerade der genialste Einfall ever, aber besser als die verschlafenen Methoden vieler anderer.
Und dann kamen die, die auch am virtuellen Kuchen mitnaschen wollten. Sie nahmen sich SL zum Vorbild und wollten auch so eine vermeintlich erfolgreiche Online-Welt aufbauen. Da kam Goggle und machte Lively. Das überlebte die Betaversion nicht und nach einem halben Jahr war Schluss mit lustig. Andere hatten mehr Glück, z.B. Entropia. Das gibt es schon seit 2003, war damals auch schnell in der Gewinnzone, kommt jetzt aber technisch nicht mehr weiter – irgendwie klemmt das Geldbörsel dann halt doch. Während bei Entropia sich alles um unterschiedlich strukturierte Phantasie-Planeten dreht, spielt sich bei Twinity alles in einem nachgebauten Berlin ab. Da schaut alles so aus wie im echten Berlin, wem also das reale Leben noch nicht fad genug ist, wiederholt es dann auch noch im virtuellen Raum. Das ist überhaupt so ein Problem. Irgendwie läuft es immer auf die Imitation des realen Lebens hinaus, nur dass man sich vielleicht einen Avatar aussucht, der fescher ist als man selbst – ist billiger als die Schönheits-OP. Mir gehen da einfach Witz und Humor ab.
Doch zurück zu Second Life. Der Hype, der um 2007 herum entstanden war, ist wesentlich abgeflaut. Inzwischen haben sich viele Firmen wieder aus SL zurückgezogen. Selbst Mark Kingdon, Chef von Linden Lab, dem Betreiber von SL, steht dem Hype ablehnend gegenüber und meint, dass die virtuelle Welt eigentlich noch am Anfang stehe, und Firmen noch abwarten sollten, ehe sie sich auf einen neuen Werbeversuch in SL einlassen. SL hat seine Strategie geändert. Die Unternehmen sollen in SL nicht Marketingaktionen setzen sondern ihre Meetings und Schulungen im virtuellen Konferenzraum abhalten. Das soll Reisekosten und Zeit sparen. – Und man sieht nicht, wie die Teilnehmer dabei einschlafen…

Gender Mainstreaming
T.U.B