Die verschiedenen Auswüchse der WEB 2.0 Welle gehen mir (und vielen anderen wohl auch) langsam aber sicher gewaltig auf die Nerven.
Nicht dass ich gleich das Kind mit dem Bade ausschütten möcht, aber wenn ich auf MySpace laufend von 20-jährigen Mädels zum Besuch ihrer freizügigen Cam-Shows aufgefordert werde, mir ein Grazer Stadtpolitiker anlässlich der bevor stehenden Wahl hinterher twittert um mir mitzuteilen, dass er grad daheim sitzt und vorher mit seiner Tochter am Ritterfest herumgealbert hat oder eine völlig idiotische Star Wars Resynchronisationen mit brechstangenwitzigem Text vom ZDF gefeatured wird und in einer Woche 2 Millionen Views bekommt, dann geht das doch irgendwie an der Idee des Ganzen vorbei.
Für mich halt.
Ich will ja niemandem vorschreiben, was Social Networks denn so sein sollen oder nicht sein sollen, aber wenn ich es in meiner Wahrnehmung knapp nach den Spammern einordnen muss, dann beginnt es mich zu demotivieren. Ich verlier ein wenig die Begeisterung, wenn laufend geballter Schwachsinn auf mich niederprasselt nur weil es gerade hip ist, zu posten.
Die Subtilität rasselt in den Keller und aus dem ursprünglichen Vernetzungsgedanken wird millionenfaches vor sich hin broadcasting weil jeder dem Zwang unterliegt, seine Ergüsse digitalvirtualsocialized raus zu würgen.
Weniger Information und mehr Inhalt fände ich inspirierender.
Ich hoffe, dieser Satz trägt ein wenig zur Aufklärung der handelsüblichen Irrtümer und Fehlinterpretationen über Information und Inhalt bei. Zumindest zum Nachdenken darüber.
“We are overinformed but underknowledged” könnte man sinnigerweise diagnostizieren.
Aber das schlimmste an der ganzen Sache sind oft nicht die Beiträge selbst, sondern die Kommentare dazu. Ist Ihnen das auch schon mal passiert, dass sie in einem öffentlichen Verkehrsmittel sitzen und gleich daneben unterhalten sich Leute in extrem störender Lautstärke und in völliger Verleugnung jeglicher Intelligenz über ein absolut banales Thema als hinge der Weltfrieden davon ab? Genauso lesen sich die Kommentare. Ich bleibe beim Star Wars Beispiel und empfehle zu Studienzwecken
http://www.youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A
Es gibt so viel wahnsinnig Kreatives, Intelligentes und Spannendes in den Social Networks, dass ich den Mund oft stundenlang nicht zu bekomme aber wenn zunehmend das Niveau von “Busted”, “Dismissed” oder “Pimp My Car” Einzug hält, macht sich Übelkeit breit.
BEITRAGEN kann ruhig ein wenig mehr sein, als Belangloses vom Fußballplatz, finden sie nicht auch? Leider muss man zudem auch feststellen, dass diejenigen, die wirklich was zum Thema zu sagen hätten, sich oft ob dieser Flut an Stuss vornehm zurück halten und lieber den eigenen Blog bedienen (ich selbst mache hier keine Ausnahme).
Wenn der Trend anhält, werden wir das virale Marketing bald in triviales Marketing umbenennen dürfen und den Oliver Pochers dieser Welt zum hundertsten Mal belangloses Geschwätz vergolden.
Egal, die Hoffnung stirbt zu Letzt…

Gender Mainstreaming
T.U.B