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Wasserglas 2.0 – was tun mit so viel Freiraum?

22. März 2010

Am Wochenende wurde diskutiert. Segen und Fluch des Internets bzw. Web 2.0 könnte man titulieren.

Heute im Büro hab ich das Thema auch aufgeworfen und bevor ich alle mit einem Protokoll langweile, möchte ich zuerst ein paar typische Aussagen widergeben und danach ein wenig interpretieren und schlussfolgern.

  1. Eine einzige negative User-Meinung über ein Hotel oder ein Restaurant verunsichert mich bereits. Wenn da 3 positive und eine negative Rezension stehen, beeinflusst mich die negative mehr, als die positiven.
  2. Wenn mich positive Meinungen mehr beeinflussen, als negative, liegt das aber am Umgang mit Meinungen und nicht daran, dass diese Meinungen wo zugänglich sind.
  3. Viele posten anonym und können aus ihrem „Versteck“ unbehelligt Schaden anrichten, was sie real nicht tun könnten.
  4. Ich will überhaupt nicht in Social Networks präsent sein. Ich will nicht, dass irgendwer über mich erfahren kann, bei welcher Party ich war, welche Freunde ich hab, welche Interessen usw.
  5. Ich kann aber nicht verhindern, dass Dinge über mich im Internet stehen. Tu ich es selbst, habe ich bessere Kontrolle darüber.
  6. Das Internet ist extrem anfällig für Manipulationen. Da ist persönlicher Willkür Tür und Tor geöffnet und man weiß nie mit welchen Intentionen wer was postet. Dadurch, dass alles öffentlich ist, entsteht der Eindruck von Wahrheit, die aber bestenfalls subjektiv sein kann und in vielen Fällen bestimmte Absichten verfolgt.
  7. Das Internet bietet für jede beliebige Information eine Vielzahl von Quellen und kann daher wesentlich besser zur Objektivierung einer Sache herangezogen werden, als klassische Sende-Medien und oft damit verbundene Medienmonopole.
  8. Ich lese aber sowieso nicht hundert Quellen, sondern maximal 2 oder 3
  9. Ich kann mir aber für jedes beliebige Themengebiet die relevantesten Informationsquellen mit wenigen Klicks aussuchen.
  10. Das interaktive Internet wird unsere gesamte soziale, wirtschaftliche und politische Kommunikation und Struktur ändern. Aussagen und  Versprechen werden überprüfbarer, nachvollziehbarer und authentischer.
  11. Die Fülle an Beiträgen führt zur Übersättigung. Man kann ja eh nicht alles lesen und im Endeffekt pickt man sich eh das heraus, was das bestätigt, das man schon vorher vorgezogen hat.

Eines vorab:
Jede Grundeinstellung hat halt so seine Argumentationslage. Wenn man sich eher zu den Internet-Skeptikern zählt, wird man vorwiegend Gefahrenmomente und Nachteile auf den Tisch legen, fühlt man sich eher Internet-affin, fokussiert man auf Vorteile.
Nur…. das ist nicht nur beim Internet so, sondern bei fast allem im Leben.
Vor 200 Jahren hatten wir ähnliche Diskussionen über die Sinnhaftigkeit des elektrischen Stroms, und vor ein paar Jahrzehnten ähnliches zum Thema Fernsehn.

Ein Blick auf die Bedürfnispyramide liefert einen Hinweis, warum das so sein könnte:
Sicherheit kommt vor den sozialen Bedürfnissen. Sprich: Das Internet als sozialen Erlebnisraum zu nutzen wird ein Individuum erst dann in Betracht ziehen, wenn das Vertrauen darin ausreicht. Misstrauen und Nutzungsverweigerung gehen dabei Hand in Hand und jeder darf sich jetzt selbst die Henne-Ei-Frage beantworten.
Der entscheidende Faktor ist – wie in jedem Bereich – die zu tiefst persönliche Art und Weise, wie mit Neuem, Ungewohntem und Selbstdefinierendem umgegangen wird und hier gibt es eben eher offensiv oder eher defensiv angelegte Leute.

Egal, wohin man tendiert, wir alle haben gelernt, unsere Entscheidungen rational und mit vielen Beispielen belegt zu begründen. Meist sind die Argumente aber nicht die Grundlage der Entscheidung, sondern die Entscheidung ist der Ausgangspunkt ihrer Begründungen. Die wahre Entscheidungsgrundlage bei der Internetnutzung ist meiner Meinung nach der intuitiv vorhandene Vertrauensaspekt.

„Es könnt auch alles ganz anders oder sogar verkehrt herum sein“ hat Konrad Lorenz mal über den Erziehungsstil seines Vaters resümiert. Für mich als Internetisten gilt das ganz besonders und gerade die Vielfalt der Quellen und Informationen verpflichtet mich zu kritischer Analyse, zu Vergleichen und zur Prüfung. Ich mach das automatisch, weil es zu meinem Beruf gehört und weil es sich aus der Erfahrung so entwickelt hat. Jemand, der viel Auto fährt, kann auch Situationen früher und besser abschätzen.

3 Schritte zurück zu den Fakten.
Die Web 2.0 Plattformen sind voll von User-Meinungen, Rezensionen, Berichten etc. Ist eben so.
Einige davon betreffen sogar meine Firma, andere erwähnen mich persönlich und ein paar wenige handeln sogar hauptsächlich von mir. Für manche Menschen wäre das schrecklich, ich für mich hab mich daran gewöhnt.
In dem Nest, in dem ich wohne, erzählt man sich allerlei über mich auch außerhalb des Internets und mir ist auch schon zu Ohren gekommen, dass der Mitbewerb versucht, mich bei meinen Kunden zu diskreditieren. Completely unplugged.
Stünde der Schrott auch im Internet, hätte ich wenigstens die Gelegenheit einer Entgegnung, Klarstellung oder auch Entschuldigung, falls wirklich mal etwas daneben gegangen ist. Eine ehrliche Kritik hat schon immer mehr bewirkt als 1000 Hörensagen und da ist es mir fast egal, ob anonym oder persönlich. Die Anonymität kann hier auch von Vorteil sein, denn es schreibt sich eben leichter in der Deckung und als Unternehmer hab ich bessere Chancen darauf einzugehen. Und falls da jemand wirklich den Rahmen verliert, bleibt immer noch die Möglichkeit der Richtigstellung.
Ja, und da war dann auch noch eine liebe alte schon lange nicht mehr getroffene Bekannte, die meinte, ich wäre seit vielen Jahren geschieden… Auf Facebook hätte sie eine Überraschung erwartet (oder sie hätte den Blödsinn nie geglaubt).

Manipulation….
Zu denken, im Internet wäre viel manipuliert, ist absolut kein Ausdruck eines kritischen Umgangs mit Medien. Was genau es ist, darüber mögen Psychologen urteilen. Eine Manipulation hat üblicherweise Folgendes am Beipackzettel:

  • Eine Absicht – es muss ein Interesse vorhanden sein, etwas in manipulativer Art darzustellen
  • Ein Ziel – eine Manipulation verfolgt einen Zweck, der Leser soll einen bestimmten Eindruck erhalten
  • Ein Unwahrheitsgehalt – Manipulationen arbeiten mit Überbetonungen, Weglassungen und Lügen

Einer durchschnittlichen Web 2.0 User-Meinung – egal worüber – fehlen zumindest 2 dieser Indikatoren. Warum sollte jemand ein Hotel beispielsweise schlechter bewerten, als sie/er es persönlich erlebt hat? Welcher Vorteil? Welcher Zweck? Natürlich kann es bei einem Hotel auch mal vorkommen, dass die Ansprüche nicht erfüllt werden. Ich denke, dass man das dann auch sagen darf. Daran ist nichts Unehrliches oder Unehrenhaftes und darin liegt normalerweise auch keine Schädigungsabsicht.
Wäre ich Hotelmanager, stünde spätestens 24 Stunden nach einer solchen Kritik eine Entschuldigung im Netz, verbunden mit einer Einladung auf ein Wochenende oder sonst ein Goodie.
Und was sehen andere Benutzer dann? Dass ich mit Kritik positiv, offen und konstruktiv umgehe. Und sie werden mich dann eher buchen, als solche, bei denen gar nichts steht.

Was will ich damit sagen? Im Internet bekommt jeder einen Handlungsspielraum, den ich in keinem anderen Medium habe. Versuchen sie dieses Hotelbeispiel mal auf das Fernsehn umzudenken. Mal abgesehen davon, dass sie dafür vermutlich Gerichte bemühen müssten, haben sie wenig Chancen, dass alle Zuseher, welche die Kritik gesehen haben, dann auch später die Richtigstellung sehen. Im Internet ist das protokolliert.
Es mag jetzt zwar für einige widersinnig klingen, aber das ist schon auch ein Stückchen Freiheit. Wenn ich mich in Angst und/oder Ärger vergrabe, habe ich natürlich nichts davon, aber wenn ich mich dazu entschließen kann, aktiv mit diesem Freiraum umzugehen, habe ich eine Vielzahl von Möglichkeiten.
Manipulationsversuche werden hauptsächlich dann eine Rolle spielen, wenn Profitorientierung oder ideologische Zielsetzungen dahinter liegen. Das orte ich vorwiegend beim Oligopol der  Medienbetreiber. Da findet man eine deutlich plausiblere Motivationslage für Manipulationen als anderswo. Die User-Community kann und soll dem medial ein Gegengewicht bieten.

Versuchen sie sich vorzustellen, dass gerade ihre Kritik dazu beiträgt, dass der Hotelbetreiber die richtigen Konsequenzen zieht und morgen sein Service verbessert – er wird sie dafür schätzen. Versuchen sie sich vorzustellen, dass sie plötzlich viel mehr G’spür dafür bekommen, wie ihre Freunde über sie denken, weil sie sehen, wie die Freunde mit ihren Beiträgen auf Facebook, YouTube etc. umgehen, ihre Fotos kommentieren usw. Versuchen sie sich von der seit Jahrzehnten massenmedial eingetrichterten Vorstellung zu befreien, dass sie „eh nichts bewirken“ können. Sie können, sie müssen es nur tun. Und versuchen sie sich vorzustellen, um wieviele persönliche Erfahrungen reicher sie werden, wenn ihnen hunderte Berichte anderer zur Verfügung stehen und dass es möglicherweise gerade ihr eigener Bericht ist, der dem netten Paar aus Hintertupfing eine wertvolle Erfahrung bringt.
Solche Dinge liegen nicht allen gleichermaßen, aber diese Buntheit ist eben auch drin. Es ist ein Plädoyer für’s Zulassen und nicht für’s „muss unbedingt mitmachen“.

Wir leben nicht für uns allein, sondern lt. Darwin davon, dass wir unser Erleben weitergeben. Das Internet gibt uns die Gelegenheit dazu, das auf sehr breiter Basis zu tun. Wie intensiv jede/r davon Gebrauch macht, ist ihre/seine Sache. Web 2.0 bietet Chancen, einen evolutionären Schritt vom reinen Konsumverhalten zu einem Partizipationsverhalten zu gehen. Es ist für jede/n einzelne/n genauso gut, wie sie/er es nutzen will. Es gibt keine best practice dafür und darum wohl auch kein Ergebnis der eingangs erwähnten Diskussion.

Nichts liegt am Internet, alles liegt an jeder/m Einzelnen.

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Viral-Brainstorming

13. August 2009

Schauen Sie uns bei der Ideenfindung zu einem Washmittel-Viral über die Schulter:

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Was wurde eigentlich aus Second Life?

8. Juni 2009

Vor zwei Jahren waren die Medien voll davon – ständig neue Jubelmeldungen. Ende 2006 bekannt geworden und im Jahr darauf der Medienhype der Sonderklasse. Second Life, das Internet-Phänomen!

Wer da alles als Anbieter rein musste: Hewlett Packard, Dell und IBM, Adidas und American Apparel, MTV, Vodafone und Autofirmen wie Pontiac, Mercedes, DaimlerChrysler, Toyota und Nissan…
Jeder wollte dort der Erste sein und seine Marketingspielwiese eröffnen. Die Ansätze waren unterschiedlich. Wollten die einen ihre Produkte bewerben, indem sie nichts anderes taten als im „richtigen“ Leben (also Messen veranstalten, Verkaufsräume einrichten und so weiter und so langweiliger) – ließen sich andere wenigstens ein bisschen was einfallen und organisierten Dinge, die im realen Leben nicht möglich sind. So stellte Nissan einen Automaten auf, aus dem sich der Avatar sein Auto rausziehen und gleich damit losfahren konnte. Auch nicht gerade der genialste Einfall ever, aber besser als die verschlafenen Methoden vieler anderer.

Und dann kamen die, die auch am virtuellen Kuchen mitnaschen wollten. Sie nahmen sich SL zum Vorbild und wollten auch so eine vermeintlich erfolgreiche Online-Welt aufbauen. Da kam Goggle und machte Lively. Das überlebte die Betaversion nicht und nach einem halben Jahr war Schluss mit lustig. Andere hatten mehr Glück, z.B. Entropia. Das gibt es schon seit 2003, war damals auch schnell in der Gewinnzone, kommt jetzt aber technisch nicht mehr weiter – irgendwie klemmt das Geldbörsel dann halt doch. Während bei Entropia sich alles um unterschiedlich strukturierte Phantasie-Planeten dreht, spielt sich bei Twinity alles in einem nachgebauten Berlin ab. Da schaut alles so aus wie im echten Berlin, wem also das reale Leben noch nicht fad genug ist, wiederholt es dann auch noch im virtuellen Raum. Das ist überhaupt so ein Problem. Irgendwie läuft es immer auf die Imitation des realen Lebens hinaus, nur dass man sich vielleicht einen Avatar aussucht, der fescher ist als man selbst – ist billiger als die Schönheits-OP. Mir gehen da einfach Witz und Humor ab.

Doch zurück zu Second Life. Der Hype, der um 2007 herum entstanden war, ist wesentlich abgeflaut. Inzwischen haben sich viele Firmen wieder aus SL zurückgezogen. Selbst Mark Kingdon, Chef von Linden Lab, dem Betreiber von SL, steht dem Hype ablehnend gegenüber und meint, dass die virtuelle Welt eigentlich noch am Anfang stehe, und Firmen noch abwarten sollten, ehe sie sich auf einen neuen Werbeversuch in SL einlassen. SL hat seine Strategie geändert. Die Unternehmen sollen in SL nicht Marketingaktionen setzen sondern ihre Meetings und Schulungen im virtuellen Konferenzraum abhalten. Das soll Reisekosten und Zeit sparen. – Und man sieht nicht, wie die Teilnehmer dabei einschlafen…

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Offener Brief an Bill Gates / Microsoft

25. Mai 2009

Hallo Mr. Gates,

still confused about what WEB 2.0 is all about?

No idea what it can do for you?

Here is ONE solution:

I read in the newspaper that your marketing staff has lost some orientation while searching for a convenient name for your new search engine.

Consequently following the principles of Web 2.0 you simply need a worldwide contest.

Step 1:
Name proposals – everyone can propose nice and funny names simply by entering them on your web-site together with the e-mail address.

Step 2:
Preselection – the top 100 names are filtered from the proposals and published.

Step 3:
Jury – every Internet user can vote for 5 names.

The authors of the 10 best ranked names win really – I mean really – attractive prices.
The winner will get a flight to ISS as a space tourist if in good physical condition or wins something similar.

At the end of the day there should be a name better than any other ….

And the most positive, moving and branding Microsoft marketing campaign ever –

And millions of e-mail addresses for which your marketing staff should have some fantasies what to do with them.

That’s the big picture so far. Nevertheless there are a lot of details to be discussed in a strategic marketing approach. Just ask the experts (us)!

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Online-Marketing in Krisenzeiten

17. April 2009

Letztens wurde ich von einer Freundin gefragt, wie sich die derzeitige Wirtschaftskrise auf die Auftragslage unserer Branche auswirkt; insbesondere im Bereich des Online-Marketing. Meine Antwort war im Wesentlichen folgende: Gerade in Krisenzeiten können es sich Unternehmen nicht leisten unsichtbar zu sein. Sie müssen Präsenz zeigen.

Es liegt auf der Hand, dass gerade in Zeiten einer Finanzkrise Umsätze steigen oder zumindest gleichbleiben müssen, um als Unternehmen bestehen zu können. Nun ist allerdings ein Effekt einer solchen Krise der, dass Menschen ungern Geld aus der Hand geben können oder wollen. Dieser Umstand ist auch dadurch bedingt dass es zur Zeit kaum Kredite für Unternehmen gibt. Nun liegt natürlich der Schluss nahe, bestimmte Ausgaben einzuschränken, was nicht selten den Bereich des Marketing trifft. Also schrauben viele Unternehmen diese Aktivitäten zurück und verringern dadurch automatisch ihre Präsenz am Markt, bedingt durch den subtilen Rückgang der Wahrnehmung ihrer Kunden.

Auf den ersten Blick ist die Krise also schlecht für das Geschäft von Unternehmen, deren Dienstleistungsangebot im Marketing angesiedelt ist. Auf den zweiten Blick wird einigen Unternehmen klar, dass gerade jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, sichtbar zu werden. Wo große Konzerne durch ihre starren Strukturen unflexibel sind, können gerade kleine und mittlere Unternehmen Ressourcen freischaufeln, um in Tätigkeiten zu investieren, die ihnen eine bessere Marktstellung verschaffen. Wo Mitbewerber kontinuierlich das Marketing-Budget kürzen, investieren sie gerade jetzt in innovative Positionierungskonzepte. Und dies ist vor allem Online-Marketing. Krisen sind nicht bloß Gefahren, sie sind vor allem Chancen. Chancen für jene, die kreativ und intelligent damit umgehen.

Gerade Online-Marketing bietet diesbezüglich enorme Vorteile. So haben viele Online-Marketing-Maßnahmen ein ausgesprochen gutes Preis-Leistungsverhältnis und sind äußerst effizient: Gut gemachte Virals generierten nicht selten exponentiell steigende Zugriffszahlen auf den assoziierten Webseiten. Community-involvierende Maßnahmen wie Corporate Blogging oder Social Networking binden gezielt und nachhaltig Kunden und Partner an das Unternehmen und vermitteln einen positiven, jungen und innovativen Eindruck über selbiges. Suchmaschinenoptimierung lenkt umsatzrelevanten Traffic von Suchmaschinen auf die eigene Seite. Das sind potentielle Kunden, die bereits am Produkt/Dienstleistung interessiert sind und knapp vor der Kaufentscheidung stehen. Conversion Rate-Optimierungen verhelfen Shops und Bestellseiten zu größerer Verkaufseffizienz. Mash-Ups und Web 2.0-Applikationen wie Facebook Apps, sowie Content Syndication Szenarios greifen auf bestehende Communities und potentielle Absatzkanäle zurück. Emotionalisierte Weboberflächen und Medien vermitteln ein positives Image und steigern so auf angenehme, subtile Weise den Absatz. Und natürlich lassen sich dem noch sämtliche allgemeine Vorteile des Mediums Internet hinzufügen. Beispielsweise der weltweite Einzugsbereich potentieller Kunden, um nur einen Aspekt zu nennen.

Nun läßt sich – um auf die anfängliche Frage zurückzukommen – folgende Aussage treffen: Es entsteht ein Shift der Ausgaben: Auf der einen Seite kürzen viele Unternehmen ihre allgemeinen Marketing-Ausgaben, auf der anderen Seite entdecken viele kleine und mittlere Unternehmen das Potential von innovativen Online-Marketing-Aktivitäten. Das merken wir auch bei unserer Auftragslage: Wir können uns nicht beklagen. 😉

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Mogeln 2.0

26. März 2009

Suuuper Angebot – Entdecken Sie unser WEB 2.0 -Package!

Unser IT-Spezialist (TU-Student) führt Ihr Unternehmen ins Web 2.0.  Profitieren Sie von unserer Typo3-Kompetenz und lassen Sie sich zum absoluten Sonderpreis eine useroptimierte, interaktive Web-Site erstellen, die sie selbst warten können. So lassen sich jederzeit bequem multimediale Inhalte verwalten, Newsletter versenden oder Zugriffsstatistiken erstellen. Schau’n Sie gleich rein, das Angebot gilt nur für kurze Zeit, denn Webmarketing ist die schnellste, günstigste und effizienteste Form um mit seinen Kunden in Kontakt zu treten.

Falls Sie jetzt aus Fassungslosigkeit eine leichte Lähmung verspüren, holen Sie sich ruhig was zu trinken. Auch wenn man es lieber nicht glauben möchte, das ist nicht erfunden, das gibt es wirklich. Ich schau mir dann hin und wieder an, wer mir denn so ausgesuchtes Unverständnis von Web 2.0 mitteilen will, aber ich wundere mich immer seltener, dass es sich meist um durchaus bekannte, gut gehende Agenturen handelt, die nicht gerade frisch am Markt sind.
Vielleicht liegt ja genau da das Problem: Die kommen aus einem sehr traditionellen Verständnis von Werbung und Kommunikation (Stichwort 15% Agenturrabatt) und merken, dass da was an ihnen vorbeifährt, das sie zwar weder genau erkennen können noch verstehen aber es riecht zumindest nach Werbebudget. Also schnell mal ein Logo 2.0, einen Newsletter 2.0 und einen Folder 2.0 gemacht und schon ist der alte Wein (der mangels sinnvollem Verständnis von Web-Design eh nie wirklich geschmeckt hat) in den neuen Flaschen mit dem trendy Etikett. „Web-Marketing“ steht da oder „2.0 Boost“ oder „Virales Marketing“. Man kann es förmlich greifen, wie sehr sich diese Leute in die Materie vertieft haben.

Und was nun?

Das nahe liegendste wäre ja, derartiger Schmutzkonkurrenz mit indianischer Gelassenheit zu begegnen und am Fluß zu warten, bis sie vorüber treiben, aber man sollte Dinos nicht unterschätzen. Diese Agenturen sitzen üblicherweise bei guten Kunden bereits fett und breit im Sattel und stehen gekonnt im Wege. Oben drein ruinieren sie den ohnehin noch sehr zarten Markt mit derlei Schwachsinnigkeiten.

Es geht also nicht anders, man muss dagegen halten. Es darf nicht sein, dass gestrige Agenturen unwidersprochen ihren Kunden Unsinn über Web-Marketing und Web 2.0 erzählen dürfen. Gerade das kann und soll Web 2.0 ja leisten, dass Kunden ihren Lieferanten weniger glauben müssen und sich informieren können.
Aber ein paar Blogs, Newsletter oder der gleichen bewegen rein gar nichts. Es geht darum, Show Cases zu haben, die unmissverständlich und eindrucksvoll belegen, was Web-Marketing mit Web 2.0 etc. leisten kann, wann es sinnvoll ist, wie es mit anderen, abgestimmten Kommunkationsmaßnahmen zum Konzert wird usw. Und man muss Unternehmen direkt ansprechen, sie aufklären und ihnen Vorschläge unterbreiten.

Man muss die Vernetzung leben.

Unternehmen sollten heute eines ganz besonders schnell erkennen: Kommunikation hat sich von einer Ansammlung singulärer Maßnahmen zu einem kontinuierlichen und intensiven Prozess gewandelt. Wie Paul Watzlawick völlig zutreffend feststellte, „kann man nicht nicht-kommunizieren“. Ein Unternehmen muss heute ständig (neue) Kommunikationsimpulse setzen, um in der stark vernetzten Welt positiv wahrgenommen und emotional relevant zu werden. Das hat damit zu tun, dass Kunden sich heute viel intensiver über Produkte austauschen und bei einem reichhaltigen Angebot gleichwertiger Produkte erlangen jenen mehr Erfolgschancen, welche die effektiveren emotionalen Reaktionen hervorrufen.

„Wir machen die besten Produkte“ oder „wäscht weißer als weiß“ ist tot. Aber wenn ich eine Frau zeige, die 3 Rieseneinkaufstaschen plus Waschmittelsack aus dem Supermarkt schleppt und der hilfsbereite junge Mann kommt und bietet seine Hilfe an – nur um gleich darauf mit dem Waschmittel abzuhauen, dann weckt das Emotionen. Daraus mach ich dann auch noch eine virale Kampagne auf YouTube und plötzlich wollen mehr Menschen das Waschmittel kaufen als vorher – nicht weil sie meinen, es wäscht so toll, sondern weil sie die Bilder in Erinnerung haben, weil sie unterhalten wurden.

Unsere Werte sind andere geworden. Weiße Wäsche? Egal, sieht eh keiner und solang die Kleidung keine Flecken hat ist, passts ja, aber im Kaufhaus greife ich zu jenen Artikeln, deren Werbung mich berührt hat.

Hier steckt schon einiges an Web 2.0 drin, aber ich wäre genau so dämlich wie die Superagentur aus der Einleitung, wenn ich es punktgenau herausanalysieren wollte. Es geht um Stilfragen, es geht um Wahrnehmungen um Subtiles um Emotionales. Der Möglichkeitsraum handelt weder von Technik noch von Design noch von Content, er handelt von Emotion, Motivation und Inspiration.

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Werbung wird in klassischen Medien an Bedeutung verlieren

28. November 2008

Ich darf Ihnen als Ausgangspunkt dazu einen Blog nahe legen:

bsc:media >>Kunde 2.0

Darin wird auf eine Studie von Booz Allen Hamilton Bezug genommen, die zu folgender Schlussfolgerung kommt, die der Blogger dann als SCHMARRN klassifiziert:

Damit droht die traditionelle Rolle von Medien als Mittler für Produkte zwischen Konsumenten einerseits und Konsumgsterherstellern bzw. Dienstleistern andererseits endgültig verloren zu gehen

In Folge wird dann etwas überaltetes Werberlatein aus der Prä-Internet-Ära verzapft um dieser Einschätzung sowas wie fachliches Gewicht zu verleihen. Die Dynamik wie Entwicklungsfähigkeit des Mediums Internet wird aber völlig ignoriert und BAH unterstellt, sie würden das Internet als Ersatz für klassische Medien betrachten. Nicht dass ich ein Freund von BAH wäre (nein, denen muss ich noch bei Gelegenheit mal ein Ohrenreiberl verpassen) aber sie haben völlig recht, auch wenn sie es ein wenig maturantenhaft ausdrücken.

Schon klar, dass ein gelernter Altmedien-Guru mit derartigen Aussagen hadert, aber wenn schon eine Interpretation der Interpretation gewagt wird, sollte man nicht überinterpretieren. BAH sagt nichts davon, dass das Internet andere Medien ersetzen wird, sondern, dass traditionelle Medien ihre vorherrschende Rolle in der Verkaufsförderung von Konsumgüterartikel verlieren werden. Und das ist bereits heute spürbare Tatsache obwohl die noch im Versuchsstadium befindlichen, völlig neuen Werbe-Ansätze im Internet noch nicht mal richtige Muskeln haben. Man bedenke nur, dass das Computermagazin Chip seit heuer mehr Werbeeinnahmen über online-Services erzielt als über klassische Print-Inserate.
Die Sache ist ja wohl auch mehrdimensional: Zum einen sprechen wir hier über Budgets, genauer gesagt über Kampagnen-Rentabilitäten und da hat das Internet in vielen Bereichen heute schon die Nase vorne. Es wird diese Stellung eher ausbauen und besonders die teuren und unflexiblen Broadcast-Werbefenster finanziell stark unter Druck setzen (Die Minute TV-Werbung auf beliebten Sendern wird man bald unter 1000 € haben können). Zum anderen wird sich der Einsatz verschiedener Medien in der Produktwerbung noch weiter differenzieren, was dazu führen dürfte, dass Kampagnen immer mehrere Medientypen gleichzeitig, aber ganz speziell abgestimmt auf die Charakteristika dieser Typen bespielen werden. Damit ist klar, dass klassische Medien nur dann als Option ziehen, wenn Broadcast-Werbung entweder eine Zielgruppe erreicht, die Internet-phob ist oder wenn die Internet- und Mobil-Kommunikation durch spezielle, Medien-optimierte Elemente komplementär ergänzt werden soll.
Klassische Medien werden in der Produktwerbung nicht mehr die erste Geige spielen. Damit hat BAH völlig recht und mehr wird auch nicht gesagt.

Der Blogger führt dann auch noch als weiteren Beleg für die Wirksamkeit der Massenmedien das Beispiel Saturn/Mediamarkt an: Man könne zwar über Geizhals in der Regel günstiger einkaufen als bei Saturn, trotzdem hat Saturn keine Umsatzeinbrüche, weil der massenmedial infizierte Konsument glaubt einfach die so von Saturn verbreitete Behauptung vom besten Preis. Eine Schlussfolgerung, welche die Plattheit der BAH Conclusio bei weitem übertrifft.
Es mag zwar sein, dass massenmediale Produktversprechen derzeit noch mehrheitlich geglaubt werden, aber das hat ein Ablaufdatum, wie das Cryptonite-Beispiel zeigt. Zu dem sorgen auch andere Faktoren nachwievor für gute Geschäfte der Riesen: Im Internet überwiegt der Versandhandel und Versand- und Nachnahmegebühren fressen oft einen Großteil des Preisvorteils. Bei Saturn kann ich mir einen „Live“-Eindruck von dem Zeug machen und auch optisch vergleichen. Wegen 2% Ersparnis fahr ich nicht extra vom Saturn heim, wühl mich mühsam durch einen kryptischen Online-Shop und alarmiere 3 Tage später meine Nachbarin damit sie die Lieferung für mich entgegen nimmt, weil ich ja sicher nicht zu der Zeit da bin, für die die Spedition die Zustellung angekündigt hat. Ja und der Maxi Zocker Elektronik-Versand in Hintertupfing steht im meiner Vertrauensskala auch weit unter dem Saturn. Nicht was den Preis anbelangt, den kann ich ja vergleichen, sondern was allfällige Garantieleistungen betrifft.